Ulrich Rudolph 2010

Katalogtext „Kunst der Collage“
2010 / Auszug

Tino Bittners frisch und ideenreich daherkommender Zugriff auf immer neue Gestaltungsmittel vollbringt auch in seiner neuen Serie Stadthimmel eine innovative Ausdrucksqualität, hier zum alten Thema der Stadtansichten. Samt und sonders sind diese kleinen Bildwerke im Ursprung die Flächen von in der Regel werbemäßig bedruckten Verpackungskartons, auf die der Künstler die geistigen und fotografischen Erinnerungen seiner Blicke gen Himmel aus den Straßenschluchten von ihm bereister Städte projiziert.
Entlang der silhouettenhaften Umrissformen der Gebäudeversammlungen werden in einem ersten Arbeitsgang im Verfahren der Decollage diejenigen Flächen ihrer bedruckten Farbigkeit und Gegenständlichkeit entkleidet, die als Himmel in Erscheinung treten sollen. Zum zweiten werden mit der gleichen Methode weitere Hautteile aufgeschnitten und abgerissen, um hinter den Fassaden, auch Fenster und Türen das farblos gewellte Gerippe des Kartons freizulegen. Die quasi übrig bleibenden Formen der Häuser leben mit der Fremdheit der ursprünglich verpackten Gegenstände und ihren Werbefarben und –beschriftungen auf surreale Weise weiter, ohne indes ihre topografische Identifizierbarkeit einzubüßen. Das dritte gestaltungsmittel setzt Tino Bittner dann über die Methode der Collage ein, bestimmte Bereiche werden mit Formschnitten aus verschiedenen Klebebändern (stumpfen, glänzenden, deckenden oder transparenten) überklebt, um so einen weiteren Aspekt von Verfremdung) oder Akzentuierend ins Feld zu führen. Mit Bleistift oder Tinte wird als viertes und letztes Gestaltungsmittel die Zeichnung genutzt, um dieses sehr kreativ, leicht und heiter anmutende Spiel um eine ausgesprochen reizvolle Idee schwungvoll zu beenden.

 


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